Begriff Kavaliersdelikt

Der Begriff Kavaliersdelikt umfasst strafbare Handlungen, die jedoch nicht als „schwer“ eingestuft werden. Dabei unterscheiden sich die Sichtweisen der Täter und der Polizei bzw. der Gerichte sehr. So sehen Täter Steuerhinterziehungen, Versicherungsbetrug, Schwarzfernsehen, Bestechung, Plagiate z. B. bei Doktorarbeiten, Geschwindigkeitsüberschreitungen, Alkohol am Steuer und noch einiges mehr als Kavaliersdelikt an. Es liegt in der Natur der Sache, dass dies die Justiz anders sieht – jedenfalls meistens.

Entstanden ist der Begriff Kavaliersdelikt im Mittelalter und hatte meistens etwas mit dem Kauf oder Verkauf von Pferden zu tun. Sicherlich wäre dieser Begriff heute kaum oder gar nicht mehr vorhanden, wenn nicht der Buchdruck erfunden worden wäre und dieses Wort zu fast allen kleinen oder größeren unmoralischen Dingen gepasst hätte. Heute wird der Begriff für eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat benutzt, die als gering, aber unmoralisch empfunden wird. Über Kavaliersdelikte wird am Stammtisch gelacht und viele Menschen akzeptieren bzw. befürworten diese kleinen Sünden sogar. Kavaliersdelikte sind meist solche Taten, bei denen der Geschädigte eine Versicherung sein kann oder aber der Staat, und zwar so, dass der Staat oder die Versicherung um einen bestimmten Betrag geprellt oder betrogen wird. Wenn es darum geht, dass die Steuererklärung wissentlich falsch ausgefüllt wird, dann erfährt der Täter von den meisten Menschen eine gewissen Hochachtung bzw. Verständnis. Übrigens – im umgekehrten Falle sprechen die Menschen dann von Betrug.

Wie dieses Jahr die deutsche Bevölkerung erleben durfte, ist auch ein Plagiat keine Straftat im eigentlichen Sinne – sogar, wenn es sich um eine Doktorarbeit handelt. Den Anfang machte ein Bundesminister, andere – wie eine Ministerin in der EU oder ein Minister im Baden-Württembergischen Landtag – zogen nach, und so mancher Doktortitel musste aus dem Namen entfernt werden. Hier wurden Doktorarbeiten mehr oder weniger mutwillig anhand wortgetreuer Übernahme von Fremdinformationen bzw. nicht angegebenen Zitaten verfasst – doch die deutschen Bürger hätten ihren Bundesminister teilweise nicht nur gerne wieder, sondern wünschen ihn sich gar als Kanzler, da es „doch nur ein Kavaliersdelikt“ war.

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