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Möglicher Schweizer Serienmörder, Mischa Ebner, gefasst (August 2002)


Sachverhalt (derzeit öffentlich verfügbare Informationen)

In der Nacht auf den 1. August 2002 wurden innerhalb einer Stunde in Bern-Bümpliz und Niederwangen zwei jungen Frauen niedergestochen; das erste Opfer, eine 23-jährige Studentin, überlebt schwer verletzt, das zweite Opfer, eine 20-jährige Maturandin, stirbt an den ihr zugefügten Stichwunden. Die schwerverletzte Frau konnte im Spital den Täter sehr detailliert beschreiben, worauf die Polizei Robotbilder anfertigte und veröffentlichte. Der Täter hat sodann fünf Briefumschläge mit seiner Handschrift der Polizei zugespielt. In den Couverts wurden Gegenstände des zweiten Opfers gefunden. Die Schriftproben wurden ebenfalls veröffentlicht, in der Hoffnung, dass Hinweise aus der Bevölkerung eintreffen könnten. Die Polizei zog den Wiener Kriminalpsychologen Thomas Müller hinzu, welcher Tatort- bzw. Täterprofile erstellte und so unter Umständen zusätzliche Ermittlungsansätze bieten konnte. Bisher ist unklar, welche Rolle der Beitrag von Thomas Müller (Leiter Abteilung für Kriminalpsychologie, Wien) gespielt hat. Müllers Spezialität ist die Tatortanalyse.

Nach der Festnahme des mutmasslichen 27-Jährigen Täters namens Mischa Ebner, dessen Geständnis noch belegt werden soll, arbeiten die Ermittlungsbehörden auf Hochtouren weiter: Gerichtlich verwertbares Material muss zusammengetragen werden, andere ungeklärte Taten werden mit denen, welche Ebner gestanden hat, verglichen. Ebener hat sodann kürzlich etwa weitere 30 Eigentums- und Delikte gegen Leib und Leben zugegeben, welche nun abgeklärt werden. Fachleute mutmassen, Ebners Tat stehe im Zusammenhang mit seiner zerrütteten Jugend. Als 4-Jähriger wurde er mit seinem 2 Jahre älteren Bruder von der Vormundschaftsbehörde Gossau SG aus schwer gestörten Familienverhältnissen geholt und zur Adoption vermittelt; eine Adoption in diesem Alter könne lebenslange psychisch-emotionale Behinderungen hervorrufen (so der amerikanische Neuropsychologe R. Federici). Dem wird von Psychologen entgegnet, dass nicht vorab eine Adoption, sondern vorausgegangene massive Verwahrlosung und Beziehungsabbrüche in der fühen Kindheit zu massiven Entwicklungsverzögerungen führen konnten, welche den Grundstein für die tiefe Persönlichkeitsstörung eines solchen Täters legen können. Zur Frage der gerichtlichen Verwertbarkeit von Profileraussagen und -gutachten sowie zu ausländischen Fällen der Verwertung solcher "Beweise" im Strafverfahren vgl. die juristische Einschätzung in einem Aufsatz von C. B. Meyer, 2002.

Ebner hat inzwischen in seiner Zelle Selbstmord begangen.


Weiterführende Links

Profiler erforschen Serientäter, Berner Zeitung, 15.08.2002 (auch als PDF).
Medienmitteilungen der Kantonspolizei Bern.



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